Elisabeth Richter in NDR-Kultur über die neue Bach-CD (Wohltemperiertes Clavier von J.S.Bach) am 21.01.2011:

"(...)Das Werk war schon zu Lebzeiten Bachs bekannt und beliebt, es existiert in vielen Abschriften. Schornsheim geht dieses "Alte Testament der Klaviermusik" - wie das "Wohltemperierte Klavier" zuweilen in Pianistenkreisen genannt wird - sehr musikantisch und weniger analytisch an. Bei einigen Präludien stürzt sie sich mit unglaublicher Verve und Lust in die Virtuosität. Da gibt es dann manchmal ausgelassene, fast rasende Tempi, aber immer mit genauer Artikulation und Phrasierung.Vor allem nutzt Schornsheim die fantastischen klanglichen Möglichkeiten dieses kostbaren Instruments von 1624. Hohe und tiefe Register oder der Lautenzug werden je nach Charakter des jeweiligen Stückes eingesetzt und sorgen so für Abwechselung und für die so nötige Transparenz in diesem Meisterwerk der Polyphonie.Schornsheim erzählt im Booklet zu diesen vier CDs, dass Bachs "Wohltemperiertes Klavier" auf sie zeitlebens eine heilende Wirkung gehabt habe. Die Kraft dieser Musik spende ihr Ruhe, reinige die Seele, und schärfe den Geist für das Wesentliche.Das gibt Schornsheim an ihre Hörer weiter. Man ist natürlich gefordert, muss sich auf die komplexen, konzentrierten Kompositionen einlassen. Aber man wird belohnt!"



Radio Stephansdom in Wien

zur neuen Bach-CD (Wohltemperiertes Clavier von J.S.Bach) am 16.12.2011:
"Wohltemperiert und wohlüberlegt. Christine Schornsheim mit feinem Bach".


Martin Bernklau in der Stuttgarter Zeitung vom 5. Sept. 2011 zum Konzert in Stuttgart, Eröffnungskonzert des 2. Pianoforte-Festivals


"Bedachtsam, mit feinem Humor und rhetorisch delikat, stellte Christine Schornsheim mit der Sonate C-Dur von 1780 auch den reifen Klassiker Joseph Haydn auf originalem Instrument vor. Der Franzose Alexandre Pierre François Boëly (1785 bis 1858) steht in seiner frühen Sonate c-Moll seinem Vorbild Beethoven an musikalischer Qualität, virtuosem Temperament und expressiver Kraft kaum nach. Im langsamen Satz ließ die Pianistin auch mozartisch grazilen Charme funkeln, im Finale Kaskaden und Läufe rauschen, die aber auf diesem Instrument kammermusikalisch dezent und transparent blieben. Tastenlöwenhaft donnern kann man damit nicht. Aber das Fortepiano erlaubt über Kniehebel auch Hallwirkungen und dämpfende Moderator-Effekte.

Auch in Mozarts ruhig erhabenem Rondo a-Moll machte das sensible Fortepiano intime, jenseitig träumerische Modellierungen möglich. Nicht nur hier imponierte Christine Schornsheim mit ihrer Faible für zärtlich gestreichelte, sachte Schlüsse. Überwältigend war es, Beethovens inflationär entwertete "Mondschein"Sonate in durchdachter Interpretation mit virtuoser Geläufigkeit zu hören. Ein paar Freiheiten im fulminanten Finale schmälerten den großartigen Eindruck nicht.

Das Publikum applaudierte mit höchster Bewunderung. Die Interpretin gab eine Caprice des originellen Alexandre Boëly drein. Das vom Prof. Johann Sonnleitner organisierte Festival hatte einen beeindruckenden Beginn."


 

Olaf Krone in der Zeitschrift "Concerto" Feb/März 2011 über die CD "Johann Christoph Friedrich Bach/Concerti" mit dem Freiburger Barockorchester

"..auch ist sie wetaus moderner als das janusköpfige Concerto grosso in Es-Dur für Soloclavier und Orchester, das im Zentrum der Aufnahme steht. Aber auch dabei handelt es sich nicht um ein Werk im barocken Stil, sondern um ein etwas eigenwilliges Solokonzert, wie bereits die Verwendung des Generalbasses und das lange Orchesterritornell zu Beginn des ersten Satzes zeigen. Hier überrascht die deutliche Nähe zum f-Moll-Cembalokonzert des älteresten Bruders Wilhel Firedemann. Gab es etwa über alle Alters-und räumliche Grenzen hinweg einen Austausch zwischen den Bach-Söhnen? Christine Schornsheim am Fortepiano spielt ihren Part stilsicher, virtuos und mit größter Intensität. Kongenial begleitet sie das Freiburger Barockorchester, das mit dieser Aufnahme erneut im Themenfeld "Bach-Familie" Furore macht."


Thomas Bopp schreibt im Schwarzwälder Bote vom 10. Mai 2011 zum Konzert in Calw:


"Mit ihrem Applaus bekunden die Besucher eines Konzerts ihren Respekt vor der künstlerischen Leistung eines Musikers. Erheben sie sich darüber hinaus beim Applaudieren auch noch von ihren Sitzplätzen, so ist dies die höchste  Anerkennung, die ein Konzertbesucher dem Künstler gegenüber zum Ausdruck bringen kann. Diese maximale Stufe auf der Skala des Applauses löste am Sonntagabend in der Aureliuskirche die Cembalistin Christine Schornsheim aus, die den zweiten Teil von J.S. Bachs Wohltemperiertem Klavier zur Aufführung gebracht hatte. Einmal abgesehen von dem rein physischen Durchhaltevermögen, Bachs Kompendium von 24 Präludien samt Fugen von immerhin fast zweieinhalb Stunden Aufführungsdauer in seiner Gesamtheit im Konzert zu spielen, musste man auch bewundern, mit welcher nie nachlassenden Konzentration und mit welcher geistigen Durchdringung Christine Schornsheim ihrer Mammut-Aufgabe nachgekommen war. Jedes der Präludien, jede der Fugen wurde da zum "Charakterstück", Bachs Vielseitigkeit im Ausdruck und in der Struktur wurde da in allen Facetten und mit höchstem Feingeist ausgehört. Die hoch sensitive Lebendigkeit ihrer Darstellung resultierte aus einer Herangehensweise, die jede Phrase, jede melodische Bewegung auf ihren gestischen und rhetorischen Gehalt hin prüfte, und hieraus mittels feinsinnigster agogischer Flexibilität und diffizilster artikulatorischer Konturierung ein Maß an Ausdruckshaftigkeit generierte, die auch das hinlänglich Bekannte mitunter in ganz neuem Licht erscheinen ließ. Diese Darstellungsweise war geeignet, die Ohren zu öffnen und sie machte den Blick frei auf Feinheiten, die bislang unentdeckt geblieben sind. So könnte man freilich beispielsweise in der g-Moll Fuge (Nr. 16) die in deren Thema auf einem einzigen Ton repetierten Noten alle gleich spielen, Christine Schornsheim jedoch entdeckte hier in diesen wenigen Noten und auf geringstem Raum einen Entwicklungsprozess, der von anfangs breiter Artikulation zu immer knapper werdender Akzentuierung führte, und sie hielt dieses erhebliche Spannkraft verleihende Profil auch in den nachfolgenden Themeneinsätzen konsequent durch. Immer gelang es Christine Schornsheim, die Satzstruktur deutlich und transparent zu machen, sei es, um die musikalisch gegliederte Anlage im d-Moll Präludium (Nr. 6) mit einem stetigen Manualwechsel zu markieren, sei es, um im Es-Dur Präludium (Nr. 7) deren Stimmen mit einer reizvollen Mischung aus Lautenzug und 8‘-Register zu trennen, oder das G-Dur Präludium (Nr. 15) in einer gleichsam grellen musikalischen Schraffur aufzurastern. Sie setzte beim Ausloten von Form und Gestalt weniger auf die Kontrastierung, denn auf einen organischen Verlauf. So erreichte sie es etwa, dass man im Cis-Dur Präludium (Nr. 3) das an den geschmeidig und atmend ausmodellierten Hauptsatz angehängte Allegro nicht als ein allzu überraschendes Stretta-Moment begriff. Immer war sie in der Lage, den Ausdruckscharakter der Präludien und der Fugen mit einer greifbaren Plastizität und dabei doch höchst feinfühligen Sensibilität zu erfassen. Die Auflistung der so überzeugungskräftigen und nachhaltigen Eindrücke, die Christine Schornsheim mit ihrer Darstellungsweise von Bachs Wohltemperiertem Klavier zu hinterlassen vermochte, könnte man noch endlos fortsetzen. Einige wenige weitere Beispiele sollen dafür herhalten, der Begeisterung des Rezensenten Nachdruck zu verleihen: Wie sprachmächtig sie den Lamento-Charakter des cis-Moll Präludiums (Nr. 4) verinnerlichen konnte, wie majestätisch und zugkräftig das D-Dur Präludium (Nr. 5) ausgeprägt worden war, welche gleichsam orgelhaft statische Lösung sie für die E-Dur Fuge (Nr. 9) gefunden hatte, oder wie sie den disparaten Verlauf der  Fis-Dur Fuge (Nr. 13) zwischen markanter Impulsivität und nachgiebiger Ausrundung zu halten wusste!"

 






 

Die Hannoversche Allgemeine am 18. April 2011 zum Konzert mit der NDR Radiophilharmonie
(Programm mit Musik der Bach-Söhne)

"Hätte nicht das so herrlich klingende Cembalo auf der Bühne des Galeriegebäudes gestanden und die Solistin Christine Schornsheim nicht so wunderbar transparent die hohe Kunst virtuosen Cembalospiels zelebriert, hätte es kaum Reminiszenzen an die Barockzeit gegeben."

 

Die "Neue Presse" am 18. April 2011 zum Konzert mit der NDR Radiophilharmonie
(Programm mit Musik der Bach-Söhne)

"Christine Schornsheim glänzte in Cembalokonzerten von Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach. Ihr technisches Können ist über jeden Zweifel erhaben, besonders aber die Fähigkeit, musikalische Phrasen darzustellen, ohne dabei die dynamik als interpretatorisches Mittel einzusetzen, beeindruckte. Als Zugabe verzückte sie das Publikum mit einer sehr sportlichen Version des dritten Satzes aus dem italienischen Konzert des Meisters höchstpersönlich, natürlich Johann Sebastian Bach."


Kritik von Matthias Nofze im Bonner General-Anzeiger am 22. März 2011 in Bonn

(Konzert zusammen mit der Gambistin Hille Perl)

"Die wendig und agil spielende Christine Schornsheim hinterließ am Cembalo einen ausgezeichneten Eindruck,
der sich mit Bachs "Italienischem Konzert" noch steigerte. Fabelhaft, wie sie virtuoses Spiel mit plastischer Gestalung
verband und im Andante die metrisch feste Begleitung mit rhythmisch freier Oberstimme kontrastierte."




 

Musikkritiker Sawatani Natsuki in "Mostly Classic" über das Konzert am 20. Januar 2011 in Osaka

 

"Christine SCHORNSHEIM, a clavier player, is a mainstay of Germanearly music school. Now she stays in Japan as a invited professor in the faculty of music, Tokyo University of the Arts. 20th Jan. 2011, she marked the climax of her recitals during the stay. That is the concert
of "Das wohltemperierte Klavier II" in OSAKA Club, Yodoya-bashi.
She performed over 2,5 hours, but we didn't sense it was such a long time. For we, her audience, were under comfortable tension. Some factors brought the superb feelings. The first is Schornsheim's proficiency in carving a music form. For instance, in the fugue in C sharp major the auxiliary-note motive often appears augmenting or diminishing. Her art to shape a form made us see/listen them perfectly.
The second is her knowledge of music style in each age. The fugue in E major is representative of the "stile antico". We can hardly listen
renaissance sound with the fugue by any other performers, but can by Schornsheim. Her performance tempted us into the sixteenth century. She showed her true worth in such an antique style well."

Christopher Greenleaf über das Konzert in Lausanne schreibt im Boston Musical Intelligencer
am 19. September 2010

"The other solo recital that, for a good many who were present, completely redefined perceptions of Chopin´s long-gone age was given by fine Munich pianist Christine Schornsheim. As did M. Dünki, Mlle. Schornsheim turned to three extravagantly different instruments to afford her program a degree of tonal and dynamic variety unheard of in conventional concerts. She drew our gaze, once again, to the message the Rencontres programs broadcast to all participants: "Ears wide open, eyes ditto. And again!” The music for this concert, played without commentary from Mlle. Schornsheim, was an arresting panoply of scores that have vanished from our modern awareness. Ferdinand Hérold (1791-1833) contributed three of six movements in his 1811 Sonata in A, Op. 3, No. 1, heard in ravishing detail on an 1801 Parisian Erard carré. On the same fragile, plangent instrument, we heard six German-influenced Caprices, Op. 2 (1816) by Alexandre Pierre Fr. Boëly (1785-1858). Moving three decades into the 19th century, and therefore firmly into the Romantic mould, was the warm, sweetly powerful voice of an 1835 Pleyel carré, the outstanding instrumental star of the evening, with an Air écossais varié in Bb (1810) by once-quite-influential Georges Onslow (1784-1853), some of whose wind music is known in North America. Unusual on many levels was the performance of the concluding work in the formal program, Boëly´s Sonata in c, Op. 1, No. 1 (1810). The 1802 Broadwood grand Mlle. Schornsheim played was tuned in a strong temperament that lent vim and character to the remoter reaches of the score (again, three of six movements in a longer work), and that also pointed out the sheer splendor of this very poetic musician´s technique at the keyboard. She is among the subtlest and most effective users of period pedal techniques you´ll find on either side of the Atlantic, and I pray fervently that her brilliantly detailed, always elegant touch will soon become familiar in American cities. Her encore, a zippy and eccentric Scherzo from another Boëly sonata, rounded out a diverting and informative evening. In best Rencontres style, a number of her colleagues whizzed backstage to a) congratulate her on a remarkable accomplishment in this program; b) call her seriously to task for interpretive choices "which I´d have gone at markedly differently, you know!”; and c) see about obtaining some of those rare scores."

 

Andreas Pernpeintner über das Konzert von Christine Schornsheim und der Gambistin Friederike Heumann in Schloss Lustheim
(zum 300. Geburtstag von Wilhelm Friedemann Bach; Süddeutsche Zeitung, 21. Sept. 2010)


"(...)Schornsheims folgende Solodarbietung von Wilhelm Friedemann Bahcs e-Moll-Fantasie FK21 ist grandios. Dieses Cembalostück klingt in seinem lebendigen Ausdruck und seiner vielfältigen Gliederung so gar nicht nach Instrumentalmusik. "Eine Miniaturoper" nennt es Schornsheim und interpretiert das virtuose Werk mit großer, assoziativer Plastizität.(..)  Der schlüssige Zielpunkt des Programms ist somit (..) die nochmalige Zusammenführung der Instrumente in Carl Philipp Emanuel Bachs g-Moll-Trio für Viola da gamba und Clavier. (..) Besonders farbig treten nun die Linien der Gambe hervor, wunderschön greifen die Stimmen ineinander. Der nicht gar so konsequente Puls der schnellen Sätze wirkt hier durchaus unterstützend und gibt Schonsheim die Möglichkeit zur fein abgestuften Registrierung des Instruments. Jetzt sind Abstimmungsverhältnis und Interaktion vorzüglich."

Schornsheim's Nightingale-ein Artikel über Christine Schornsheim, erschienen am  6. August 2010 im Klassik-Magazin "Fanfare", Autor:  Jens F. Laurson

 

 

F.Me in der NZZ vom 9. Juli 2010 zur Haydn CD mit der Neuen Düsseldorfer Hofmusik

 

Die Konzerte für Tasteninstrumente nehmen im riesigen Gesamtwerk Joseph Haydns eine eher untergeordnete Stellung ein: Mit Ausnahme des um 1780 entstandenen, noch heute populären D-Dur-Konzerts Hob. XVIII:11, handelt es sich um Frühwerke aus der Zeit vor 1770, in denen isch die Originalität des Komponisten noch nicht so deutlich kundtut wie in seinem reifen Schaffen. Doch wie Christine Schornsheims Gesamtaufnahme der acht  heute als authentisch erachteten Konzerte zeigt, zeichnen sich schon diese Werke durch eine handwerkliche Finesse und einen Gedankenreichtumg aus, die den späteren Meister erkennen lassen. Dabei erweist sich die Entscheidung der Solistin, die früheren Konzerte teils auf der Orgel, teils auf dem Cembalo, die späteren dagegen entweder auf dem Cemablo oder auf dem Hammerklavier zu spielen, nicht nur unter historischen Gesichtspunkten, sondern auch im Blick auf die dadurch gewährleistete klangliche Abwechslung als überaus sinnvoll. Aber auch in gestalterischer Hinsicht vermag Christine Schornsheim zu überzeugen. Zusammen mit dem hellwach agierenden Ensembel Neue Düsseldorfer Hofmusik gelingt ihr eine flüssige, elegante Darstellung, die bei aller Geschmeidigkeit auch die Überraschungseffekte und den rhetorischen Gestus mancher Passagen nicht unterschlägt. Und nicht zuletzt erweist sich Schonsheim als äusserst veriert in der historischen Verzierungskunst; besonders schön bringt sie diese in der langen Kantilene im Mittelsatz des F-Dur -Konzerts zur Geltung, die sie mit reicher Ornamentik versieht-und die dennoch wie aus einem Guss geformt wirkt."

 

 

Antje Rößler in der Märkischen Allgemeine vom 21. Juni 2010 über das Konzert am 18.Juni bei den Musikfestspielen Potsdam-Sanssouci


"Christine Schornsheim, eine Expertin für historische Tasteninstrumente, brillierte an einem 200 Jahre alten Hammerflügel, dem sie eine Vielfalt an Klangfarben entlockte. Daniel Sepec überraschte an der Barockgeige durch phantasievolle Verzierungen. Gesine Queyras steuerte am Cello eine solide Bassstimme bei, wobei sie nicht immer ganz sauber intonierte."

Peter Korfmacher schreibt in der Leipziger Volkszeitung vom 17. Juni 2010 über das Konzert am 15. Juni beim Leipziger Bachfest


" ..und Schornsheim mit Wilhelm Friedemann Bachs e-Moll Fantasie FK 21. Eine herrlich gezierte Musik aus jenem Zwischenreich, in dem der Barock noch virtuos nachglüht, die Empfindsamkeit sich aber bereits ausgedehnte Brückenköpfe erobert hat. Und mit sicherem Gespür für beide Welten erweist Schornsheim sich hier als fabelhafte Interpretin, die aufführungspraktische Erkenntnis und unfehlbares Stilempfinden in den Dienst lebendiger musikalischer Praxis zu stellen vermag."

Andreas Pernpeitner schreibt am 20. Oktober 2009  in der Süddeutschen Zeitung zum Konzert in München

Christine Schornsheim brilliert bei der Residenzwoche

"Einen historischen Hammerflügel zu hören, ist ein reizvolles Erlebnis. Leise und seidig ist der Klang, und man kann nachempfinden, welch Faszination einst von seinen neuen anschlagdynamischen Möglichkeiten ausging. Gewiss, im Vergleich zu modernen Instrumenten ist das Potential hier reduziert, ebenso das Moment des Nachklanges. Umso klarer tritt der Augenblick des Anschlages in den Vordergrund - und das verlangt nicht nur höchste Präzision, sondern auch eine markante Phrasierung, soll die Musik plastische Konturen gewinnen.

Genau davon lebt das Konzert von Christine Schornsheim am letzten Tag der Residenzwoche im Max-Joseph-Saal. Sie spielt mit größter Konzentration und herrlicher Vitalität, beschleunigt und bremst die Musik auf kleinstem Raum, was aber keineswegs zerfahren wirkt, sondern in den raschen Sätzen aus Mozarts für München komponierten Sonaten in F-Dur KV 280 und D-Dur KV 284 eine äußerst erfrischende Eleganz hervorruft. Ein vollkommen anderes Bild vermittelt Margarethe Danzis Andante con Variazioni in f-Moll. Schornsheim bezeichnet diese Komposition als "frühromantisch". Die dabei mitunter geforderte Virtuosität setzt sie bestens um, und schleicht sich wirklich einmal eine überflüssige Note ein, so gilt es zu bedenken, wie leicht die Tasten derartiger Instrumente angehen. Entscheidend aber ist, dass hier insgesamt ein erstaunlich volltönender und dichter, die Klaviatur in ihrer Breite nutzender Ton angeschlagen wird, der dem Konzert eine wichtige Facette des Ausdrucks hinzufügt - wie auch Schornsheims mit schlichter Geradlinigkeit ausgeführte Interpretationen der langsamen Sonatensätze sowie das entzückend pastellene Schlaglicht, das sie mit der zweiten Zugabe auf Haydns Variationen über die Hymne "Gott erhalte" wirft."(SZ, 20.10.2009)

 

Ute van der Sanden schreibt in der Mitteldeutschen Zeitung am 23.06.2009 zum Haydn-Konzert in Dessau:

 

"Wer schon spielt einen ganzen Abend lang Solowerke von Joseph Haydn? Mehr als anderthalb Stunden totale Konzentration, vollständig klarer Kopf, Bereitschaft zum Affekt, ganz zu schweigen von der motorischen Konstitution: Welcher Pianist tut sich das an! Und das alles für einen Komponisten, der noch immer und zu himmelschreiendem Unrecht als Fürstenunterhalter belächelt wird, dessen Jubiläumsjahr von den Ehrentagen populärerer Persönlichkeiten wie Georg Friedrich Händel und Felix Mendelssohn Bartholdy überstrahlt wird. Für eine Musik, die beim Publikum bestenfalls als grazil und eingängig gilt, meist jedoch als bieder, langweilig und altmodisch. Musik, die der Virtuose gleichwohl als enorm schwer begreift, technisch und gestalterisch, zumal sie nicht den kleinsten Fehler verzeiht.

Ja, wer sollte es wagen, wenn nicht Christine Schornsheim. Am Freitag überreichte sie beim Gartenreichsommer "Musikalische Kostbarkeiten zu Ehren von Josef Haydn". Denn es ist Haydn-Jahr, vor 200 Jahren wurde der Meister in Wien geboren.

Der Konzerttitel sprach die reine Wahrheit. So winzig der Rahmen im schmucken Festsaal des Schlosses Luisium, so niedrig die Zahl der Zuhörer, die hineinpassen, so außergewöhnlich war der Vortrag der Expertin für historische Tasteninstrumente, die mit den Klavierwerken Haydns ganz bei sich selbst anzukommen scheint. Nicht grundlos wurde ihre im Jahr 2005 erschienene Gesamteinspielung der Klaviersonaten des Wiener Klassikers mit Plattenpreisen reichlich dekoriert.

Musikalisches Temperament

So hat Haydn seine Musik womöglich selbst gehört. In ihrer Entstehungszeit wurden auch das Schloss Luisium gebaut und der Hammerflügel, auf dem Schornsheim musizierte. Das Besondere an ihrem Haydn-Vortrag ist: Er klingt niemals nach Arbeit. Er biedert sich nicht als billige Preziose an. Er ist vollständig frei von Manierismen und nur ganz selten, etwa beim mühseligen Umgang mit dem unwillig repetierenden Instrument, ist ihm seine Fragilität anzumerken. Die Interpretin spielte ihren Haydn auf unspektakuläre Weise im Einvernehmen mit Stil und Ausdruck des späten 18. Jahrhunderts. Sie spielte ihn mit musikantischem Temperament, exzellenter Klang- und Anschlagskultur sowie hochsensibler Verzierungskunst. Ihre Triller, Umspielungen und Arpeggien schmückten die melodischen Linien nicht nur - sie bereicherten sie.

Wunderbare Klaviermusik

Von den zwölf Arietta-Variationen in Es-Dur abgesehen, hatte sie ausschließlich Werke aus Haydns reiferen Jahren gewählt, die um 1780 entstandenen Sonaten D-Dur, C-Dur und As-Dur sowie im Finale die große c-Moll-Sonate, eine der wenigen ihrer Gattung, die Haydn nicht in einer Dur-Tonart setzte.

In jeder einzelnen dieser Kompositionen nahm Schornsheim ihre mehr und mehr verblüffte Hörerschaft mit auf einen Erlebnistrip durch die wunderbare Welt Haydnscher Klaviermusik. Wie sie den ersten Satz der D-Dur-Sonate Hob. XVI:33 aus den drei robust in Arpeggien aufgefächerten Eingangsakkorden entwickelte, wie sie vermittels der Registratur das Adagio abdunkelte; wie sie in der nachfolgenden Sonate Hob. XVI:41 Melodie und Nebenstimmen korrespondieren ließ und die As-Dur Sonate Hob. XVI: 43 mit bärbeißigem Humor ausstattete und mit harschem Zugriff erkundete, der auf Beethoven wies - das zeugte von großer Leidenschaft und Entdeckerfreude.

Der Applaus hätte begeisterter kaum ausfallen können. Schornsheim legte aus lauter Dankbarkeit zweimal nach, zuerst, mit unerhörter emotionaler Expansion, die C-Dur-Fantasie von 1789 und dann noch eine Variation des Deutschlandliedes aus dem Kaiserquartett, für das der Komponist eigens eine Fassung für Klavier solo geschrieben hatte. Ohnedies hat Schornsheim wieder einmal allen gezeigt: Haydns Musik ist mitnichten bieder und langweilig. Eine altmodische Konzertpause wäre gleichwohl nicht schlecht gewesen. Das Klima im klitzekleinen Saal, so herrlich er sich mit dem Klang verbündete, machte dem vorbildlich konzentrierten Publikum ebenso wie der Interpretin sichtlich zu schaffen. Bei aller Kunst: Atmen muss der Mensch ja doch."


 

Kritik aus der Stuttgarter Zeitung om 13.6.09 zum Konzert mit Andreas Staier bei den Ludwigsburger Schlossfestpielen

"Das Hammerklavier ist ein feines InstrumentIntimität, besondes was Dynamik und Klanggestaltung betrifft. Subtile Abstufungen und überraschende Effekte hat der Vorläufer des heute gebräuchlichen Konzertflügels zu bieten, wie beim grandiosen Konzert von Andreas Staier und Christine Schornsheim zu hören war. (...)Initmität und Zwischentöne sind Leitprinzipien dieser Klangkunst, was etwas bei Impromptus von Robert Schumann zu hören war. Vielschichtig tönen Staier und Schornsheim die Klänge ab, finden subtile Unterscheidungen in der Pianokultur, entlocken dem tendenziell matt klingendem Instrument Vielfarbigkeit, die auch mal ins Derbe und Vordergründige kippt (....)"

Werner Häußner schreibt in der WAZ über das Konzert am 2. Juni 2009 beim Klavierfestival Ruhr in Bottrop:

"Bei ihrem Klavier-Festival-Debüt in Bottrop erschließt Christine Schornsheim Haydns musikalische Welt

Ein Konzert aus fünf Stücken, die im üblichen Klavierabend gerade mal die folgende virtuose Prachtentfaltung einleiten dürfen? Ein Abend ganz mit Werken von Joseph Haydn, dem kunstfertigen Wiener Klassiker, den man gerne für altbacken und harmlos hält? Dem schon Robert Schumann vor 150 Jahren kein "tieferes Interesse für die Jetztzeit" einräumen wollte? In Bottrop gab es gegen solche Haltungen sanften, aber entschiedenen Einspruch. Die Anwältin für Haydn heißt Christine Schornsheim, hat vor vier Jahren eine hoch gelobte Gesamtaufnahme seiner Klavierwerke vorgelegt und debütierte nun beim Klavier-Festival Ruhr. Dass sie im Kammermusiksaal des Kulturzentrums August Everding zu Gast war, ist ein ausgesprochener Glücksgriff: Akustik und Intimität des Raumes korrespondieren mit der Musik optimal. Und die vier Sonaten nebst einer Variationenfolge eröffnen einen Blick auf Haydn, der durch beharrlich wiederholte, aber selten überprüfte Vorurteile hindurch auf eine vielfarbige, von Einfällen belebte Welt fällt. Nichts von froh gelaunter Schlichtheit, nichts vom liebenswürdigen Großpapa, den der Wiener Großkritiker Eduard Hanslick der Nachwelt eingeredet hat.
Der Flügel aus einer holländischen Sammlung klingt wie Silber und weißes, dünnes Porzellan. Mittellage und Diskant erinnern noch an den fein metallischen Klang des Cembalos. Doch die Resonanz ist vorzüglich. Und die Tiefe hat Substanz und runden, fülligen Klang.

Schornsheim nutzt die Eigenarten ihres besonderen Hammerklaviers. In raschen Läufen, etwa im Kopfsatz der As-Dur-Sonate (Hob. 43), kehrt sie silbrig-mechanische, aber etwas starre Flinkheit heraus, die vom Cembalo herkommt. Im Allegro der D-Dur-Sonate (Hob. 33) überzeugt sie mit federnder Leichtigkeit im Rhythmus und einer natürlichen Diskretion des Tons. Im Menuett gibt ihr der leicht ansprechende Bass das Mittel, den Rhythmus pfiffig zu artikulieren. Dank der transparenten Melodiestimmen kann die Pianistin aus scheinbar einzelnen Noten im Bass einen Verlauf herstellen, der musikalischen Sinn offenbart.

Solche Entdeckungen gelingen auch in der B-Dur- (Hob. 41) und der c-moll-Sonate (Hob. 20), weil Schornsheim ständig innere Beziehungen knüpft. Haydns Meisterschaft, seine Galanterie, die Poesie seiner Musik und sein unaufdringlicher Humor werden offenbar. Ein grandioses Plädoyer für das Weiterleben von Haydns Musik - auch über seinen 200. Todestag hinaus!
Christine Schornsheim beglaubigt den reformierten Blick auf Haydn mit Ernsthaftigkeit, innerem Feuer und musikalischer Klugheit. Sie hat dafür einen Partner: ein noch zu Lebzeiten Haydns gebautes Hammerklavier aus der Werkstatt des Wieners Michael Rosenberger."

 

 

Ulrich Pollmann schreibt im Berliner Tagesspiegel zur Haydn-Nacht am 29. Mai 2009 im Radialsystem in Berlin

"16 Kurzkonzerte gibt es in drei Sälen, was dem Publikum viel Logistik abverlangt. Man will ja nichts verpassen. Drei Mal ist die überragende Christine Schornsheim am Hammerflügel mit Sonaten Haydns zu hören, für die improvisatorische Frische ihrer Haydn-Interpretation wurde sie mehrfach ausgezeichnet."